Tür und Tor

Die Schlüsseldisziplin des smarten Heims

Elektronisch schließen: Beispiel MobileKey von Simons Voss
Elektronisch schließen: Beispiel MobileKey von Simons Voss
Ganz klar: Die Haus- bzw. Wohnungsabschlusstür gehört zum wichtigsten und alltäglichsten Sicherheitsmaßnahmen. Schloss und Schlüssel für Tür und Tor sind schon seit der Antike bekannt – und im Grunde genommen hat sich seitdem kaum etwas am Grundprinzip des zahnbewehrten Metallschlüssels geändert. Jedenfalls bis in die jüngste Zeit. Inzwischen sind bekanntlich doch ein paar neue Ideen hinzugekommen.

Elektronik und Funktechnologie öffnen den Weg in die smarte Welt des digitalen Schließens. Integrierte Elektronik macht aus Mechanik Mechatronik – per Funktechnik können Schlösser Daten austauschen mit einem Zugangssystem im Hintergrund. Und vor allem in Hotels, Büros und im gewerblichen und industriellen Bereich haben Karten den klassischen Schlüssel seit längerem weitgehend verdrängt.

Elektronische Schließsysteme

Gerade dort, wo die private Wohnung mit Büro-, Kanzlei- oder Praxisräumen verbunden sind, eröffnen elektronische Schließsysteme einige smarte Features. Insbesondere wenn Türbewegungen protokolliert werden sollen, bieten sie eine bequeme Möglichkeit, nachzuvollziehen, wer zu welchem Zeitpunkt eine Tür benutzt hat – oder zumindest benutzen wollte. Diese Systeme lassen sich ausgesprochen flexibel auf die eigenen Bedürfnisse hin programmieren: Nicht nur die einzelnen berechtigten Personen lassen sich festlegen – es lassen sich auch feste Uhrzeiten festlegen, zu denen diese von ihrem Recht Gebrauch machen können: So kann die Putzfrau vielleicht immer nur Dienstag Nachmittags hinein – und wenn gewünscht, beschränkt auf bestimmte Zimmer.

Wer auf ein elektronisches System umsteigen will, muss zunächst seine mechanischen Schließzylinder gegen elektronische austauschen. Diese sind in der Regel batteriebetrieben – und es braucht schon ein paar zigtausend Mal Auf- und Zumachen, bevor die Batterie schlapp macht. Zum Austausch ist ein Schlüsseldienst übrigens unnötig – zwei linke Hände reichen vollkommen aus. Dazu kommt eine irgendwie geartete Form von Schlüssel: Das ist, je nach System, ein handlicher Transponder, eine Karte oder ein (etwa NFC-fähiges) Handy. Hält jemand diesen Schlüssel ans Schloss, wird die Berechtigung gecheckt – und zwar entweder lokal durch das Schloss selbst oder über ein zentrales Verwaltungssystem, mit dem es verbunden ist.

Ad №2
Programmiert wird per Funk – so spielt das Ganze mit dem gesamten Smart-Home-System zusammen. Die Zahl der Angebote auf dem Markt ist inzwischen ziemlich groß. Systeme gibt es etwa von Herstellern wie Assa Abloy, Salto Systems, Primion oder SimonsVoss sowie von Hunderten von Sicherheitsfirmen – für jedes Budget.

Neben Smart-Türschlössern für die der Zylinder vollständig ausgetauscht wird, auch eine Nummer kleiner mit einer einfachen Nachrüsteinheit: Sie wird an der Innenseite der Tür einfach auf den Beschlag aufmontiert und dreht mittels eines kleinen Motors den Schlüssel im Schloss. Das funktioniert und ist steuerbar wie die große Lösung – per Bluetooth, RFID/ NFC, per App, etc. Aber Vorsicht beim Selbereinbauen: Nicht jedes Schloss funktioniert mit zwei Schlüsseln von beiden Seiten. Achten Sie also darauf, ob Sie ein Schloss haben, das auch dann von außen per Schlüssel schließbar ist, wenn innen abgeschlossen ist.

Fingerabdruckleser

Auch biometrische Verfahren sind im Smart Home angekommen. Der Fingerabdruck spielt hier die wichtigste Rolle. Dabei werden bekanntlich auch unsere talentreichen Smart-Phones inzwischen als Türöffner eingespannt. Hier kommt unter anderem der vielbesprochene neue Funkstandard NFC ins Spiel: Das steht für Near Field Communication, was besagt, dass die Geräte die hier mit einander kommunizieren, sehr eng nebeneinander gehalten werden müssen – das macht das Abhören unbefugter Dritter besonders schwierig. Es gibt bereits einige Hersteller wie Evva oder Burg Wächter, die Ihr Handy per Bluetooth, RFID oder eben NFC zum Schlüssel machen.

Was alle diese neuen Techniken von Code bis Fingerabdruck letztlich mit den guten alten Schlüssel-Zacken verbindet, ist eine Art von Programmierung, die sicherstellt, dass ausschließlich berechtigte Leute durch die Tür kommen. Der Clou dabei ist jeweils, dass der Zutrittswillige etwas Einzigartiges, Unverwechselbares vorzeigen kann, das ihm Zugang gewährt – zum Beispiel eben seinen Fingerabdruck.
Dass die Biometrie sich so verbreiten konnte, liegt an immer schnelleren Prozessoren und immer raffinierteren Algorithmen. Es dauert heutzutage kaum eine Sekunde – und das komplexe Muster auf dem Zeigefinger ist mit einem vorher gespeicherten Bild abgeglichen. Das führt zu einer eindeutigen Identifikation. Übrigens arbeiten die neusten Leser berührungslos – das empfinden nicht nur ängstliche Bakterien-Phobiker als hygienischer.

DOM ix TwinStar® - Zwei Rollen - doppelte Sicherheit
Geht auch: Die klassische Tastatur

Freilich gilt auch hier: Absolut sicher sind lediglich der Tod und die Steuer – und natürlich lässt sich auch so ein biometrisches System knacken. Hier kommt es darauf an, wie gefährdet Sie sich und Ihre Wohnung einschätzen. Immerhin hat der Chaos Computer Club schon mal medienwirksam den Fingerabdruck von Wolfgang Schäuble veröffentlicht. Wer ein doppeltes Sicherheitsnetz einziehen will, kann den Fingerabdruckleser mit einer klassischen Tastatur ergänzen.

Solche Nummern-Tastaturen bieten den Vorteil, dass Sie nichts bei sich tragen müssen. Wenn es Ihnen schon keine Schwierigkeiten bereitet, sich an Ihre EC-Karten-PIN zu erinnern, ist das Eintippen einer Geheimzahl eine gute Idee. Zugang verschafft Ihnen etwas, was nur Sie wissen – Vorsicht vor neugierigen Blicken ist natürlich geboten, wenn die Tastatur offen einsehbar ist.

Der Markt hält Komplettpakete bereit, die aus Tastatur, elektronischem Schloss und Stromversorgung bestehen – das ist, abgesehen von ein paar üblichen Werkzeugen und etwa handwerklichem Geschick – alles was Sie zur Installation brauchen.

Wer steht vor der Tür?


So smart sind wir ja schon lange: Einfache und zuverlässige Gegensprechanlagen für Mehrfamilien- und andere Privathäuser gibt es seit eh und je – modulare Systeme gibt es etwa von Siedle, um einen Hersteller von vielen zu nennen. Wer so eine Anlage selbst installieren will, muss aber schon seine Werkzeugkiste aus dem Keller holen, um Kabel zu verlegen. Zunehmend gibt es aber auch drahtlose Systeme. Hier sollten Sie darauf achten, dass die Batterien im Mobilteil immer aufgeladen sind. Außerdem braucht man auch für die draußen angebrachte Einheit eine Stromversorgung, damit die Tür auf gemacht und das Licht angeschaltet werden können.

Wenn Sie einzelne Komponenten kaufen, achten Sie darauf, dass der Türöffner mit der selben Spannung arbeitet wie die Steuereinheit – manche brauchen Gleichstrom (DC), andere Wechselstrom (AC). Sprechen Sie im Zweifel auch mit Ihrem Vermieter, bevor Sie Meißel und Bohrer ansetzen!

Schnittstellen gibt es zu manchen Büro-Telefonsystemen. Wer klingelt, kann per Nebenstelle direkt an den Schreibtisch gestellt werden – und der Besucher kann durch Aktivierung des an der Tür montierten Schließblechs eingelassen werden. Übrigens macht es die fortschreitende Digitalisierung der Telefonie teils schwieriger, Telefonanlage und Türsprechanlage miteinander zu verbinden. Diese Digitalisierung hat nämlich zur Folge, dass dank IP-Telefonie über Ethernet und Router die zentrale Anlage entfällt – so fehlt der Anschluss für die analoge Technik. Inzwischen gibt es aber, etwa von Ritto, auch IP-basierte Gegensprechanlagen.

Schließsystem mit Videokamera – die Kombi macht’s


Sowohl mit analoger als auch mit digitaler Technik lassen sich weitere Systeme fernbedienen: Neben dem Türöffner bietet es sich zum Beispiel an, auch Schiebetore, versenkbare Poller oder Schranken anzuschließen. Ein Klassiker in diesem Zusammenhang ist natürlich die integrierte Videokamera – Komplettanlagen gibt es etwa von Abus, Siedle und vielen andere Herstellern. Sie bedürfen einer Zusatzinvestition, stellen aber heute keinen absoluten Luxus mehr da. Komplettanlagen sind schon unter 150 Euro erhältlich.

Sofort sehen zu können, wer an der Tür steht, ohne vorher fragen zu müssen, ist eine deutliche Steigerung der Sicherheit. Dazu kommt, dass viele Systeme auch an mehrere Außeneingänge wie z.B. Gartentür oder Garagentor angeschlossen werden können, die dann im Haus von einem Punkt aus bedient werden können. Das ist besonders praktisch für weiter entfernte oder schlecht einsehbare Zugänge.

Auch hier geht es noch etwas smarter: IP Systeme bieten im Videobereich teils bequeme Zusatzfunktionen. So gibt es die Möglichkeit, das Videosignal von der Sprechanlage automatisch auf einen PC aufzunehmen – oder automatisch das Licht einzuschalten, wenn jemand an der Tür klingelt. Ähnliches gilt generell für Smart-Home-Komponenten: Intelligente Systeme im Haus lassen sich nach Bedarf bequem verknüpfen.

Ende smart – alles smart

Wie viel oder wenig „smarte“ Technik Sie zur Sicherung Ihrer vier Wände und von Tür und Tor auch einsetzen – die durchdachte Mischung macht’s. Und: Am Anfang steht auch heute noch die mechanische Sicherung. Sie ist sozusagen die erste Verteidigungslinie im Gesamtkonzept und sie tut ihren Dienst auch ohne Strom.

Wer mehr Sicherheit für sich sucht, kann von Smart-Technologie aber erheblich profitieren. Video- Sprechanlage, Tastatur, elektronische Schlösser mit Tags, Schlüsseln oder Karten und Fingerprint-Leser lassen sich bequem per Apps und somit über das gesamte Smart-Home-System einstellen und steuern. Dank Bluetooth, hauseigenem WLAN oder speziellen Funkfrequenzen haben Sie dann ein bequemes, sicheres und flexibles Zugangssystem, das gleichzeitig für eine intelligente Reaktion auf ungewöhnliche Ereignisse oder Systemfehler sorgt.

Ad №3
Vorsicht Passwort

Noch ein wichtiger Tipp für alle Selbsteinbauer: Ändern Sie unbedingt gleich die voreingestellten Standardoder Default-Passwörter der Schlösser. Sonst stehen Ihr Haus und Ihr Büro weit offen für übelmeinende Hacker. Außerdem verhindern Sie, dass das Schloss als Teil eines Botnets missbraucht wird. Und machen Sie es den Passwortknackern nicht zu leicht: Verwenden Sie also bitte nicht Autokennzeichen, Postleitzahl oder dergleichen. Wie wär’s mit einer Eselsbrücke a la „Kater Nero springt 3 Mal hoch und fällt 2 mal runter“ – schon haben Sie sich ein 8-stelliges Geheimpasswort gemerkt, auf das kein Mensch kommt.

Übrigens sollt auch das Passwort für Ihren Router entsprechend sicher vor virtuellen Einbrechern sein. Hier ist zu beachten, dass oft an mehreren Stellen Passwörter vergeben werden müssen:

◾ Absicherung des Verwaltungszugangs (GUI) per Browser

◾ Die 16- oder 20-stellige Zahlenkombination der WPA2-Verschlüsselung Ihres W-Lans

◾ Beschränken Sie den Zugang des W-Lans auf bekannte Geräte und nutzen Sie auch die Funktion zur automatischen Abschaltung etwa in der Nacht.

◾ Wenn Sie einen NAS-Speicher haben, der mit dem hausinternen Netz verbunden ist, müssen Sie auch hier ein Passwort vergeben.

◾ Das Gleiche gilt für ein VPN-Netzwerk.

◾ Schließen Sie offene, aber unbenutzte Ports (im Zweifel sollten Sie hierbei einen IT-Fachmann ranlassen)

◾ Wenn nicht gerade benötigt: Schalten Sie die Fernwartungsmöglichkeit unbedingt aus. Hacker haben vor kurzem gerade diese Router-Funktion genutzt, um sich Zugang zu Tausenden von Routern zu verschaffen.


Mit Fingerscan in die eigenen vier Wände

Die elektronische ENTR-Einheit wird an der Innenseite der Haustür montiert Foto: ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH
Die elektronische ENTR-Einheit wird an der Innenseite der Haustür montiert Foto: ASSA ABLOY Sicherheitstechnik GmbH
Der elektronische Schließzylinder ENTR von Assa Abloy kann an nahezu jeder Tür angebracht werden. Dazu wird lediglich der vorhandene Zylinder ausgetauscht – ohne Bohren oder Verkabeln. Die Stromversorgung erfolgt durch aufladbare Akkus. Für die Bedienung steht eine Auswahl an Möglichkeiten zur Verfügung: Smartphone-App, Fernbedienung, PIN-Code, Fingerabdruck und nach wie vor der Schlüssel. Besonders komfortabel ist auch die Vergabe von zeitbegrenzten Zutrittsberechtigungen. Die Reinigungskraft, die nur zu bestimmten Zeiten Zu- gang zum Haus oder zur Wohnung benötigt, Pflegekräfte sowie Besucher oder vorrübergehende Bewohner erhalten durch den elektronischen Schließzylinder mit personalisierten Zugangscodes nur zu fest definierten Zeiten Einlass. Bis zu 20 Fernbedienungen, Codes und App-Berechtigungen können im Einsatz sein.

Wird ein Smartphone oder eine Fernbedienung gestohlen oder geht verloren, muss der Zylinder nicht ausgetauscht werden. Die virtuellen Zutrittsberechtigungen der Fernbedienung oder App können ohne großen Aufwand aus dem System gelöscht werden. Zudem verriegelt es selbstständig, sobald die Tür ins Schloss fällt. So ist jederzeit gewährleistet, dass abgeschlossen ist. Durch die Verarbeitung von gehärtetem Stahl ist der Zylinder gegen ein Aufbohren geschützt. So bietet die Schließlösung immer eine sichere und bequeme Zutrittskontrolle ohne großen Aufwand bei Einbau oder Wartung.
www.assaabloy.de

Smart Home beginnt bereits an der Eingangstür

Tür und Tor Image 6
Für technikaffine Hausbesitzer und kleine Unternehmen beispielsweise auch Vereinsheime entwickelte Winkhaus Blue Compact. Denn die innovative Technologie bietet intelligente Zutrittsorganisation auch für weniger große Objekte. Die elektronische Schließanlage lässt sich von Technik-Laien spielend per App konfigurieren, ist leicht zu installieren und fällt mit ihrem ansprechenden Design positiv auf.
www.winkhaus.de



Tschüss, Schlüssel!

Eniq Easyflex Box: In wenigen Minuten elektronisch abschließen //bit.ly/2nYzSpq
Eniq Easyflex Box: In wenigen Minuten elektronisch abschließen //bit.ly/2nYzSpq
Das Eniq Easyflex-System von Dom schützt vor Einbruch – und auch ein verlorener Schlüssel verliert seinen Schrecken. Denn statt herkömmlicher Schlüssel gibt es Transponder, auf denen die Zutrittsberechtigungen hinterlegt sind. Geht einer davon verloren, kann er umgehend deaktiviert werden und die Gebäudesicherheit bleibt unbeeinträchtigt. Passend fürs Eigenheim: Der Zylinder ist elegant, erfüllt höchste Sicherheitsstandards und ist mit einem Dreh einfach zu bedienen.

Bohren, verkabeln oder Softwareinstallationen sind überflüssig. Dank einer anschaulichen Bedienungsanleitung sind Einbau und Installation kinderleicht oder können auf Wunsch durch den Fachhändler erfolgen. Werden mehr als fünf Transponder benötigt – zum Beispiel für die Reinigungskraft oder den Babysitter, können diese mit einem weiteren Eniq Easyflex-Booklet jederzeit ergänzt werden – ohne dass Registrierungs- oder Folgekosten entstehen. Gut zu wissen: Die KfW unterstützt Maßnahmen wie den Austausch von Schließsystemen mit speziellen Förderprogrammen.

Datenschutz