Schlüsselbund zum Alteisen?

Schließsysteme: Ein smartes Haus braucht smarte Schlüssel

                        ©sdecoret - stock.adobe.com

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Schlüssel und Schloss – eine geniale, um nicht zu sagen smarte Erfindung. Sie sind ein uraltes Denkmal menschlicher Erfindungskraft und bis heute allgegenwärtig. Zum alten Eisen wird das gezackte Metall wohl auch in Zukunft nicht so schnell gehören. Aber: Konkurrenzsysteme für die rasselnden Schlüsselbünde gibt es inzwischen schon seit vielen Jahren. Sie kommen mit ein paar unschlagbaren Vorteilen, vor allem was die Praktikabilität im täglichen Umgang mit ihnen betrifft – als Karte, als Transponder oder seit jüngerer Zeit als Funktion des Handys.

Die webbasierte Schließlösung MobileKey von SimonsVoss
Die webbasierte Schließlösung MobileKey von SimonsVoss
Zu finden waren Transponder und Co. bis vor einigen Jahren aber fast ausschließlich in größeren Gebäuden, im gewerblichen Umfeld. Mit der zunehmenden Begeisterung für die Idee des Smart-Homes und für die Möglichkeiten die es für „Small Offices und Home Offices“ ( kurz: SOHO) gibt, kommen sie jetzt auch zu uns nach Hause und ins Büro – langsam, aber gewaltig!

Mechanik, Mechatronik, Funk

Das Grundprinzip für die neue smarte Schließtechnik ist die Loslösung von der Mechanik – hin zur Elektronik, Mechatronik und Funktechnologie. Dank letzterer können die Schlösser mit einer Zugangs- Software Daten austauschen – mit vielen Vorteilen, die ein mechanisches Schloss einfach nicht bieten kann. Wo zum Beispiel die private Wohnung mit Büro-, Kanzlei- oder Praxisräumen verbunden ist, eröffnen elektronische Schließsysteme einige smarte Features. Insbesondere wenn Türbewegungen protokolliert werden sollen, bieten sie eine bequeme Möglichkeit, nachzuvollziehen, wer zu welchem Zeitpunkt eine Tür benutzt hat – oder zumindest benutzen wollte.

Solche Systeme lassen sich auf die eigenen Bedürfnisse hin programmieren: Nicht nur die einzelnen berechtigten Personen lassen sich festlegen – der Hausherr kann auch feste Uhrzeiten bestimmen, zu denen diese von ihrem Recht Gebrauch machen können: So kann die Putzfrau vielleicht immer nur Dienstag Nachmittags hinein – und wenn gewünscht, beschränkt auf bestimmte Zimmer. Oder: Sie vermitteln dem Paketboten einen Kurzzeit-Zutritt, damit er das Paket in Ihren Flur stellen kann – von Ihrer Arbeitsstelle und vom Urlaub aus. Auch nachbarschaftliche Blumengieß-Dienste lassen sich auf diese Weise blendend organisieren, ohne dass Sie erst Ihren Ersatzschlüssel verleihen müssen.

Auch die Situation bei Verlust stellt sich bei Transponder und Karte völlig anders dar, als beim mechanischen Schlüssel: Der Ersatz ist unproblematisch – und der alte wird einfach (etwa in der App) ausgetragen und dadurch ungültig.
Smartphone wird Schlüssel – hier am Beispiel AirKey von EVVA: eine App speichert die Zutrittsberechtigungen
Smartphone wird Schlüssel – hier am Beispiel AirKey von EVVA: eine App speichert die Zutrittsberechtigungen
Der Umstieg

Wer auf ein elektronisches System umsteigen will, muss zunächst seine mechanischen Schließzylinder gegen elektronische austauschen. Diese sind in der Regel batteriebetrieben – und es braucht schon ein paar zigtausend Mal Auf- und Zumachen, bevor die Batterie schlapp macht. Ein Schlüsseldienst oder ähnliches ist für diesen Austausch übrigens unnötig – zwei linke Hände reichen vollkommen aus. Dazu kommt eine irgendwie geartete Form von Schlüssel: Das ist, je nach System, ein handlicher Transponder, eine Karte oder ein Handy, das mit NFC- oder Bluetooth arbeitet. Hält jemand diesen Schlüssel ans Schloss, wird die Berechtigung gecheckt – und zwar entweder lokal durch das Schloss selbst oder über ein zentrales Verwaltungssystem, mit dem es verbunden ist.

Programmiert wird per Funk – so spielt das Ganze mit dem gesamten Smart-Home-System zusammen. Die Zahl der Angebote auf dem Markt ist inzwischen ziemlich groß. Systeme gibt es etwa von Herstellern wie Abus, Assa Abloy, Dom, Evva, Primion, Salto oder SimonsVoss sowie von Hunderten von Sicherheitsfirmen – für jedes Budget.

Abgesehen von Smart-Türschlössern, für die der Zylinder vollständig ausgetauscht wird, gibt es auch die Möglichkeit, das ganze eine Nummer kleiner zu lösen – mit einer einfachen Nachrüsteinheit: Sie wird an der Innenseite der Tür einfach auf den Beschlag aufmontiert und dreht mittels eines kleinen Motors den Schlüssel im Schloss. Das funktioniert und ist steuerbar wie die große Lösung – per Bluetooth, RFID/NFC, per App, etc. Aber Vorsicht beim Selbereinbauen: Nicht jedes Schloss funktioniert mit zwei Schlüsseln von beiden Seiten. Achten Sie also darauf, ob Sie ein Schloss haben, das auch dann von außen per Schlüssel schließbar ist, wenn innen abgeschlossen ist.
OMEGA FLEX Mehr als Öffnen und Schließen
Biometrie für alle

Auch biometrische Verfahren sind im Smart Home angekommen. In der Praxis spielt im Smart-Homeund SOHO-Bereich vor allem der Fingerabdruck die wichtigste Rolle. Dabei werden bekanntlich auch unsere talentreichen Smart-Phones inzwischen als Türöffner eingespannt. Hier kommt zum Beispiel Bluetooth oder der Funkstandard NFC ins Spiel: Letzteres steht für Near Field Communication, was besagt, dass die Geräte die hier mit einander kommunizieren, sehr eng nebeneinander gehalten werden müssen – das macht das Abhören unbefugter Dritter besonders schwierig. Es gibt viele Hersteller wie Evva oder Burg Wächter, die Ihr Handy per Bluetooth, RFID oder eben NFC zum Schlüssel machen.

Was alle diese Techniken letztlich mit den guten alten Schlüssel-Zacken verbindet, ist eine Art von Programmierung, die sicherstellt, dass ausschließlich berechtigte Leute durch die Tür kommen. Der Clou dabei ist jeweils, dass der Zutrittswillige etwas Einzigartiges, Unverwechselbares vorzeigen kann, das ihm Zugang gewährt – zum Beispiel eben der Fingerabdruck.

Dass die Biometrie sich so verbreiten konnte, liegt an immer schnelleren Prozessoren und immer raffinierteren Algorithmen. Es dauert heutzutage kaum eine Sekunde – und das komplexe Muster auf dem Zeigefinger ist mit einem vorher gespeicherten Bild abgeglichen. Das führt zu einer eindeutigen Identifikation. Übrigens arbeiten die neusten Leser berührungslos – das empfinden nicht nur Bakterien- Phobiker als hygienischer.

PIN-Code und Tastatur

Die klassische PIN-Code-Tastatur an der Tür gibt’s natürlich auch. Absolut sicher sind natürlich nach wie vor nur der Tod und die Steuer – und natürlich lässt sich fast jedes System knacken, auch das biometrisch gesicherte. Hier kommt es darauf an, wie gefährdet Sie sich und Ihre Wohnung einschätzen. Immerhin hat der Chaos Computer Club schon mal medienwirksam den Fingerabdruck von Wolfgang Schäuble veröffentlicht. Wer ein doppeltes Sicherheitsnetz einziehen will, kann den Fingerabdruckleser also zum Beispiel mit einer klassischen Tastatur ergänzen.

Solche Nummern-Tastaturen bieten den Vorteil, dass Sie nichts bei sich tragen müssen. Wenn es Ihnen schon keine Schwierigkeiten bereitet, sich an Ihre EC-Karten-PIN zu erinnern, ist das Eintippen einer Geheimzahl eine gute Idee. Zugang verschafft Ihnen etwas, was nur Sie wissen – Vorsicht vor neugierigen Blicken ist natürlich geboten, wenn die Tastatur offen einsehbar ist.

Der Markt hält Komplettpakete bereit, die aus Tastatur, elektronischem Schloss und Stromversorgung bestehen – das ist, abgesehen von ein paar üblichen Werkzeugen und etwa handwerklichem Geschick – alles was Sie zur Installation brauchen.

Smarter als ein Guckloch

So smart sind wir ja schon lange: Einfache und zuverlässige Gegensprechanlagen für Mehrfamilienund andere Privathäuser gibt es seit eh und je – modulare Systeme gibt es etwa von Siedle, aber auch z. B. von Mobotix, um nur zwei Hersteller von vielen zu nennen. Wer so eine Anlage selbst installieren will, muss meist seine Werkzeugkiste aus dem Keller holen, um Kabel zu verlegen. Zunehmend gibt es aber auch drahtlose Systeme – und die Möglichkeit, Bild und Ton per App zu übertragen: So können Sie auch im Urlaub schauen, wer vor der Tür steht.

Achten Sie darauf, dass die Batterien im Mobilteil immer aufgeladen sind. Außerdem braucht man auch für die draußen angebrachte Einheit eine Stromversorgung, damit die Tür auf gemacht und das Licht angeschaltet werden können.
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Wenn Sie einzelne Komponenten kaufen, achten Sie darauf, dass der Türöffner mit der selben Spannung arbeitet wie die Steuereinheit – manche brauchen Gleichstrom (DC), andere Wechselstrom (AC). Sprechen Sie im Zweifel auch mit Ihrem Vermieter, bevor Sie Meißel und Bohrer ansetzen!

Schnittstellen gibt es zu manchen Büro-Telefonsystemen. Wer klingelt, kann per Nebenstelle direkt an den Schreibtisch gestellt werden – und der Besucher kann durch Aktivierung des an der Tür montierten Schließblechs eingelassen werden. Übrigens macht es die fortschreitende Digitalisierung der Telefonie teils schwieriger, Telefonanlage und Türsprechanlage miteinander zu verbinden. Diese Digitalisierung hat nämlich zur Folge, dass dank IP-Telefonie über Ethernet und Router die zentrale Anlage entfällt – so fehlt der Anschluss für die analoge Technik. Inzwischen gibt es aber, etwa von Ritto, auch IP-basierte Gegensprechanlagen.

Smarte Kombinationen

Sowohl mit analoger als auch mit digitaler Technik lassen sich weitere Systeme fernbedienen: Neben dem Türöffner bietet es sich zum Beispiel an, auch Schiebetore, versenkbare Poller oder Schranken anzuschließen. Ein Klassiker in diesem Zusammenhang ist natürlich die integrierte Videokamera – Komplettanlagen gibt es etwa von Abus, Siedle und vielen andere Herstellern. Sie bedürfen einer Zusatzinvestition, stellen aber heute keinen absoluten Luxus mehr dar.
Mit der MxBell bietet Mobotix als Ergänzung zum MxDisplay+eine mobile Gegenstelle für Mobotix IP-Video-Türstationen
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Dom Tapkey ist eine Lösung für die Zutritts-organisation per Smartphone
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Sofort sehen zu können, wer an der Tür steht, ohne vorher fragen zu müssen, ist eine deutliche Verbesserung der Sicherheit. Dazu kommt, dass viele Systeme auch an mehrere Außeneingänge wie z. B. Gartentür oder Garagentor angeschlossen werden können, die dann im Haus von einem Punkt aus bedient werden können. Das ist besonders praktisch für weiter entfernte oder schlecht einsehbare Zugänge.

Auch hier geht es noch etwas smarter: IP-Systeme bieten im Videobereich teils bequeme Zusatzfunktionen. So gibt es die Möglichkeit, das Videosignal von der Sprechanlage automatisch auf einen PC aufzunehmen – oder automatisch das Licht einzuschalten, wenn jemand an der Tür klingelt. Ähnliches gilt generell für Smart-Home-Komponenten: Intelligente Systeme im Haus lassen sich nach Bedarf bequem verknüpfen. Viele System lassen sich so einrichten, dass zum Beispiel die Alarmanlage, die Heizung und das Licht ausgehen, wenn Sie gehen – bzw. sich einschalten, wenn Sie kommen. Solche automatisierten Verknüpfungen machen das System erst richtig smart.
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Wie viel oder wenig smarte Technik Sie zur Sicherung Ihrer vier Wände und von Tür und Tor auch einsetzen – die durchdachte Mischung macht’s. Und: Am Anfang steht auch heute noch die mechanische Sicherung. Sie ist sozusagen die erste Verteidigungslinie im Gesamtkonzept und sie tut ihren Dienst auch ohne Strom. Deshalb bleiben Schloss und Schlüssel in aller Regel bestehen. Ausschließlich das Handy zum Türaufschließen zu verwenden ist nach wie vor als unpraktikabel anzusehen: Der Akku kann leer sein, Bluetooth muss eventuell erst (re-)aktiviert werden – und das Hervorkramen und Anschalten des Handys kann letztlich umständlicher sein, als Transponder oder Karte.

Vorsicht Passwort

Noch ein wichtiger Tipp für alle Selbsteinbauer: Ändern Sie unbedingt gleich die voreingestellten Standardoder Default-Passwörter der Schlösser. Sonst stehen Ihr Haus und Ihr Büro weit offen für übelmeinende Hacker. Außerdem verhindern Sie, dass das Schloss als Teil eines Botnets missbraucht wird. Und machen Sie es den Passwortknackern nicht zu leicht: Verwenden Sie also bitte nicht Autokennzeichen, Postleitzahl oder dergleichen. Wie wär’s mit einer Eselsbrücke?

Übrigens sollt auch das Passwort für Ihren Router entsprechend sicher vor virtuellen Einbrechern sein. Hier ist zu beachten, dass oft an mehreren Stellen Passwörter vergeben werden müssen:
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Absicherung des Verwaltungszugangs (GUI) per Browser

Die 16- oder 20-stellige Zahlenkombination der WPA2-Verschlüsselung Ihres W-Lans

Beschränken Sie den Zugang des W-Lans auf bekannte Geräte und nutzen Sie auch die Funktion zur automatischen Abschaltung etwa in der Nacht.

Wenn Sie einen NAS-Speicher haben, der mit dem hausinternen Netz verbunden ist, müssen Sie auch hier ein Passwort vergeben.

Das Gleiche gilt für ein VPN-Netzwerk.

Schließen Sie offene, aber unbenutzte Ports (im Zweifel sollten Sie hierbei einen IT-Fachmann ranlassen)

Wenn nicht gerade benötigt: Schalten Sie die Fernwartungsmöglichkeit unbedingt aus. Hacker haben vor kurzem gerade diese Router-Funktion genutzt, um sich Zugang zu Tausenden von Routern zu verschaffen.
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